Cortina Bob – One Of Each

Seit ein paar Jahren kann man in Berlin den kleineren Clubs beim Sterben zusehen. Dagegen regt sich Widerstand und Protest. Umso mehr gilt es, die Locations zu feiern, die es mit ehrlichem Schweiß und Herzblut schaffen, einen jedes Mal aufs Neue zu begeistern: Vorhang auf für das Cortina Bob!

Dorle, seit wann bist du die Betreiberin des Cortina Bob?

Dorle: 2008 habe ich den leerstehenden Laden auf der Wiener Straße 34 übernommen. Dann habe ich mit einem Trupp Handwerker und ein paar Tresenschlampen das Cortina Bob daraus gemacht. Der Cortina Bob war in den 1950er Jahren das coolste Fahrgeschäft auf dem Rummel. Der Name passte gut zum Konzept. Wir sind ja eine Art Schaustellergewerbe. Da ich nicht stinkereich bin, haben wir das, was wir dort vorfanden, umgearbeitet, mitverwendet, zweckentfremdet und per „AltmachNeu“ unseren Laden gebaut. Es ist ein bisschen blöd, dass die Leute, die den Laden ursprünglich gemacht hatten, den Tresen ganz hinten ans Ende gesetzt haben. Es ist immer besser, wenn man sieht, wer reinkommt und umgekehrt! Allerdings muss man sagen, dass die Location jede Menge Disco-Geschichte mitbringt.

Foto:privat

Foto:privat

 Erzähl mir bitte etwas über die Geschichte des Ladens.

Dorle: Ursprünglich war es ein Kino: Von 1912 bis 1960 hieß es Wiener Lichtspiele. Seit den späten 70er Jahren war dort aber immer Discobetrieb. Erst war es die Undergrounddisco „Lichtspiele“. In den 1980ern hieß der Laden dann „Bronx“ und war eine Kultdisco mit Konzertveranstaltungen. Da ging man hin, wenn man eigentlich schon ins Bett gehört hätte. Schließlich war es das „Tam Tam“, mit dem Konzept „Dicke Frauen – schwarze Männer“. Dann stand der Laden leer und wir kamen daher!

Foto: Tenia Dimakopoulou für Wolf City

Foto: Tenia Dimakopoulou für Wolf City

Wie sieht eine typische Freitagnacht bei euch aus?

Dorle: Ich finde, es gibt in der Gastronomie, ganz besonders in Berlin, keine typische Freitagnacht. Man hat es mit Menschen zu tun. Man weiß nie, was passiert: Wer reinkommt, wer kotzt oder sich auszieht. Das ist doch das Großartige an dem Job.

Foto: A. Volkmer für Metal Hammer

Foto: A. Volkmer für Metal Hammer

Was für Leute kommen zu euch? Gab es Veränderungen des Publikums, seitdem Stoner/Sludge/Doom in Berlin gehypt wird?

Dorle: Zu uns kommen so’ne, so’ne & Jesprenkelte. Will sagen, jede Menge verschiedene Leute. Es kommt immer auf die Veranstaltung an. Aber natürlich hat sich der Umstand, dass Stoner, Doom und so nicht mehr als abgemeiert angesehen werden, dafür gesorgt, dass wir mehr dieser Shows anbieten können und somit solches Publikum ziehen.

Foto: Tenia Dimakopoulou fürr Wolf City

Foto: Tenia Dimakopoulou für Wolf City

Was macht für dich die Berliner Untergrund-Szene aus? Gibt es prägnante Merkmale?

Dorle: Underground ist für mich grundsätzlich das, was sich vom Massengeschmack absetzt. Das, was jenseits des Mainstream stattfindet, was eigene Kreation in Optik und Inhalt anstrebt. Das, was individuell ist und stolz darauf. Das, was Charakter behält in einer Gegenwart, in der Nietengürtel salonfein sind. Die Untergrund-Szene galoppiert nicht dem Trend hinterher, sondern erfindet ihn. Besonders in Berlin.

Wie bist du persönlich das erste Mal mit ihr in Berührung gekommen?

Dorle: In den 1980ern, ohne zu wissen, dass man sowas Untergrund-Szene nennt. Ich habe mich mit 15 Jahren in Clubs geschmuggelt, in denen Punk, Wave, New Romantic und HC in jeglicher Form gespielt wurde, in denen sich die Spielarten der Szene vermischten. Man konnte seine Kutte nicht bei Hager & Mager kaufen und seine Mucke nicht im Radio hören.

Fanfoto: Digger & The Pussycat-Setlist

Fanfoto: Digger & The Pussycat-Setlist

 Welche Band würdest du gerne mal zu euch einladen?

Dorle: In Berlin entstehen in jeder Szene ständig neue Bands. Es sind immer wieder welche dabei, die ihren Scheiß einfach drauf haben und den dazu noch cool, d.h. mit Eiern, – auch die Damen! – auf die Bühne bringen. Daher hoffe ich, dass ich immer wieder merke oder darauf aufmerksam gemacht werde, dass diese oder jene Band unbedingt eingeladen werden sollte.

Auf welches Highlight freut sich das Cortina Bob in diesem Jahr noch?

Dorle: Um ehrlich zu sein, freut Bob sich, weiter wirtschaften zu können. Darüber, dass wir mit der wirklich brotlosen Kunst des kleinen Venues immer wieder über die Runden kommen, neue Ideen haben und Input kriegen. Mir ist klar, dass ich hier ein Event anführen soll, aber ein Highlight ist es übrigens jedes Mal, wenn wir einen runden Abend mit jeder Menge zufrieden abgeferkelter Peoples hingekriegt haben – Vor und hinter den Kulissen!

 

Vielen Dank und viele weitere tolle Jahre mit Bob wünsche ich dir!


Cortina Bob: http://www.cortinabobberlin.de/concerts.htm

Cortina Bobs Facebook: https://www.facebook.com/CortinaBobBerlin

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