FatimaDjamila – At one with all

Am letzten heißen Tag des Jahres traf ich FatimaDjamila. Die schreibende, zeichnende Künstlerin ist gespannt auf das Leben. Ihre nächste Ausstellung seht ihr beim Berlin Swamp Fest.

Wie begann deine Liebe zur Kunst? Gab es ein prägnantes Ereignis?

Fatima: Ich zeichne seit meinen Teenagerjahren gerne. Es gab allerdings keinen bestimmten Auslöser, wie z.B. die Kunstlehrerin oder die Eltern. Es ergab sich einfach so! Ich las immer viel und hörte Musik. So saß ich dann an meinem Schreibtisch und kritzelte vor mich hin. Eberswalde ist auch einfach langweilig! Da bleibt einem nichts anderes übrig. Während des Lesens stieß ich auf Werke von William Blake, Edgar Allen Poe oder später Emily Dickinson. Dann fing ich an, selbst Texte bzw. Gedichte zu verfassen und ein bisschen rumzuspinnen. Es war ein harmonischer Prozess ohne große äußere Einflüsse.

© FatimaDjamila

„Schizophrenia“ © FatimaDjamila

Wie hast du von dort aus weitergemacht?

Fatima: In der Schule organisierte ich mal eine Projektgruppe „Gedichte schreiben“, die aus ganzen zwei Personen bestand. (lacht.) Aber mir gefiel, dass die Gedichte vorgetragen wurden und die anderen wenigstens für einen kurzen Moment zuhörten. Ich fing dann an, meine eigenen Kassettencover zu gestalten. Als ich nach Berlin zog, lernte ich hier und in Dresden Menschen kennen, die selbst künstlerisch aktiv waren. Daraufhin habe ich mal ein CD-Cover umgesetzt, einer Freundin ein Tattoomotiv gestaltet oder in einer kleinen Galerie ausgestellt. Das war aber nie mein primäres Ziel! Ich habe immer für mich gezeichnet. Ich stellte bisher zweimal in Dresden und dreimal in Berlin aus. Mittlerweile kann ich meine Bilder gut über meinen Blog online zeigen.

© FatimaDjamila

„Musica Mundana“ © FatimaDjamila

Was waren Inspirationen für deine Motive?

Fatima: Das Zeichnen hatte – und hat – viel mit Musik zu tun. In meiner Jugendzeit waren das Sachen wie z.B. Ulver, Beherit, Bathory oder Immortal. Das passte ganz gut, ich hatte ja den Wald vor der Haustür! (lacht.) Wobei ich nicht nachgezeichnet habe, was ich gerade gehört habe. Die Musik war einfach gut, um sich zu konzentrieren und in einen Schaffensprozess hineinzufinden. Heute höre ich zum Zeichnen immer noch gerne alte Heroen wie P.J. Harvey oder Nick Cave.

Über die Bücher kam dann nach und nach mein Interesse für Geschichte und Archäologie, was auch in die Bilder einfließt. Durch meine Arbeit in Museen kommt es natürlich auch vor, dass Motive davon inspiriert sind.

© FatimaDjamila

„Change may rise from the chaos within“ © FatimaDjamila

Welche Mittel verwendest du zum Zeichnen? Hat sich das im Laufe der Zeit verändert?

Fatima: An sich sind es die gleichen Arbeitsmittel geblieben, nur die Materialien sind besser geworden. Es ist immer ein Bleistift, ein schwarzer Feinliner, Tinte oder ein Kugelschreiber auf Papier. Von anderen Dingen wie Kohle oder reinen Bleistiftzeichnungen bin ich wieder abgekommen. Irgendwann ist Acryl dazugekommen, was eigentlich nichts auf Papier zu suchen hat. (lacht.) Ich benutze es mehr wie Aquarell-Farbe. Meistens sind die Bilder schwarz/weiß und auf einmal kriege ich einen Rappel und dann muss da noch Farbe dazu.

Ich sitze gerne am Schreibtisch, mülle mich zu, habe Kopfhörer auf und male intensiv vor mich hin. Das geht für mich nicht auf einer Leinwand.

© FatimaDjamila

„New horizons“ © FatimaDjamila

Ist es immer noch ein reines Hobby oder betreibst du es mittlerweile semiprofessionell?

Fatima: Lustigerweise habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. So finde ich es auch angenehm. Andere Leute stecken dich eh in eine Schublade! Das braucht man gar nicht selbst zu tun. Aber ich zeichne sicher nicht, um Geld zu verdienen oder Dienstleistungen anzubieten.

Wie schaffst du es, dich neben dem Job dazu motivieren, regelmäßig zu zeichnen oder zu schreiben?

Fatima: Zuletzt bin ich viel gependelt. Die Inspiration kam dabei teilweise im Zug, wenn du beobachtest, wie sich vor deinem Fenster die Landschaft im Laufe der Jahreszeiten verändert. Oder wenn du für ein paar Tage Urlaub an der Ostsee machst. Alles andere ist einfach Disziplin! Ich hatte mir wirklich vorgenommen, jeden Monat ein Bild fertigzustellen. Das war anstrengend, aber es hat funktioniert.

© FatimaDjamila

„Spring worship“ © FatimaDjamila

Hattest du ein Ziel vor Augen?

Fatima: Ja, es gab im vergangenen Jahr die Idee, in der Morgenrot Gallery auszustellen – und das hat dieses Jahr auch funktioniert. Aber es wäre auch generell schade gewesen, das Talent schleifen zu lassen. Ideen sind immer da! Man kann sie sich nicht aufsparen. Man muss sie gleich umsetzen.

© FatimaDjamila

„Return of the king in yellow“ © FatimaDjamila

Teilweise sind urbane Landschaften, wie man sie in Berlin findet, in deinen Bildern vertreten. Warum?

Fatima: Das bleibt nicht aus. Du bist umgeben von Häusern, allgemein dem Stadtbild. Das kann schön sein, aber auch sehr hässlich. Aber wenn ich ehrlich bin, ist mir die Natur als Inspiration immer lieber! Menschen inspirieren mich meist nicht direkt. Dann eher die Erlebnisse, die man gemeinsam teilt.

Wenn du Berlin in einem Bild zeichnen solltest, gäbe es eine Stimmung oder Farbe, die die Stadt ausmacht?

Fatima: Das ist schwer. Heute wäre das Bild wahrscheinlich hell und farbenfroh. Mit Berlin verbinde ich es jetzt im Sommer, draußen zu sitzen und zu schnacken. Die Stadt ist bunt, einladend und cool. Aber im Dezember würde das Bild bestimmt ganz anders aussehen. Über Berlin könnte man wohl tausend Bilder malen. (lacht.)

© FatimaDjamila

„To hide is to gather creative spirits“© FatimaDjamila

Du warst eine lange Zeit in Schweden. Kannst du Berlin mit Orten in Schweden vergleichen? Gibt es etwas Prägnantes an Berlin für dich?

Fatima: Ich war vor allen Dingen in Göteborg, Uppsala und Stockholm. Es gibt in Berlin – allein aufgrund der Größe – viel mehr Möglichkeiten. Auch wenn sich hier Dinge verändern und zugebaut werden: Es gibt eine sehr große alternative Szene. Das geht teilweise woanders einfach nicht. Du kannst dich in Schweden ja nicht mal mit einem Bier in den Park setzen oder so. Es gibt aber dort sehr, sehr viele Leute, die musikalisch und künstlerisch aktiv sind, die in Bands spielen und Konzerte organisieren. Das fand ich beeindruckend. Letzten Endes war es mir dann aber doch zu klein.

Wie ist dein Eindruck von der Berliner Szene aktuell?

Fatima: Für mich ist die Musik immer ein wichtiger Aufhänger. Daher finde ich Sachen wie das Berlin Swamp Fest ganz großartig. Das ist so eine „runde Sache“, wo auch Filme und Kunst gezeigt werden. Daneben gibt es viele spannende Sachen. Sei es, du hast Lust auf eine Metaldisco oder das Bärlin PedälBättle. Du musst dich nur darauf einlassen!

© FatimaDjamila

„Fete de passage“ © FatimaDjamila

Du bist ja nächste Woche wieder auf dem Swamp Fest zu sehen. Was zeigst du dieses Jahr?

Fatima: Im letzten Jahr hingen noch Drucke an der Wand. Dieses Jahr zeige ich originale Zeichnungen und Gedichte. Das wird sich jeweils zur Hälfte aufteilen. Die Gedichte sind zudem noch von Collagen begleitet.

Gibt es ein anderes künstlerisches Feld, in dem du dich gerne austoben würdest?

Fatima: Ich würde gerne viel mehr schreiben. Ich kann mich aber leider zuhause nicht so gut konzentrieren. Wenn, dann würde ich gern Kurzgeschichten und mehr Gedichte schreiben. Wenn ich ein Instrument spielen könnte, würde ich gerne Musik machen. (Warum?) Ich bin ständig von Musik umgeben. Durch ein Instrument könnte ich die Emotionen, die Musik bei mir auslöst, selbst direkter vermitteln.

Wie benutzt du digitale Möglichkeiten wie Blogs etc.? Zur Dokumentation oder zur Vernetzung?

Fatima: Ich mag Blogs. Ich kann steuern, was die Leute zu sehen kriegen. Ich kann einem interessierten Publikum problemlos ein paar Bilder von mir zeigen. Dabei ist egal, ob die Menschen in Deutschland oder den USA leben. Für mich ist mein Blog eine Art Online-Ausstellung.

© FatimaDjamila

„At one with all“ © FatimaDjamila

Hast du ein Lieblingsbild?

Fatima: Es gibt ein paar Bilder, nicht nur eins. Meist wird ein Werk zum Lieblingsbild, weil die Momente, in denen es entstanden ist, für mich einprägsam und besonders waren. Ein solches Bild ist z.B. „At one with all“, ein anderes ist „Baltica – Along the Shores“.

Welche Galerie gefällt dir am besten? Wo gehst du selbst gerne hin?

Fatima: Es gab die Strychnin Gallery, die fand ich toll. Da war ich regelmäßig. Aber es gibt viele, kleine Sachen, wie die Morgenrot Gallery. Da engagieren sich Galeristen wirklich, um etwas auf die Beine zu stellen. Generell gefällt es mir in Ausstellungen, wenn es genügend Raum gibt, sich Sachen anzugucken und auf sich wirken zu lassen und nicht alles zugestellt wird. Aber in der Galerieszene kenne ich mich nicht wirklich aus. Ich gucke mir gerne einfach alles an – von DIY bis Nationalgalerie! (lacht.)

Hast du einen gerade Lieblingsort oder –club?

Fatima: Ich war neulich zum Kino im Zukunft und fand es sehr angenehm. Die Jägerklause mag ich im Sommer sehr gerne. Ich fand auch das Stattbad toll. Schade, dass es weg ist.

Welche Berliner Band magst du aktuell am liebsten?

Fatima: Muss es eine sein? Ich mag natürlich die Leute und die Musik von Drowned, Essenz und Hermann . Ich mag Evil Spirit, die machen so Doom-Kram. Generell ist Berlin zur Zeit eher doomig unterwegs. Außerdem gibt es meiner Meinung nach ein kleines Black Metal-Revival.

Vielen Dank für das schöne Interview und viel Spaß mit deinen kommenden Projekten!

Headerbild: „Behind the walls of sleep“ © FatimaDjamila


FatimaDjamilas Blog: https://fatimadjamila.wordpress.com/

FatimaDjamilas Facebook: https://www.facebook.com/artfatimadjamila/

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