Laura Vanselow Photography – Spread the love

Bereits seit einer Dekade ist Laura Vanselow in Berlin als Fotografin auf Konzerten unterwegs. Was sie dabei erlebt, erzählt sie im Interview.

Du fotografierst viel auf Konzerten und Parties. Wie bist du dazu gekommen?

Laura: Ich fing vor circa elf Jahren an, mit einer damals semiprofessionellen Digitalkamera, auf Konzerten zu fotografieren. Tatsächlich kam ich dadurch eigentlich erst auf die Idee, Fotografin zu werden. Durch meinen damaligen Freund war ich vermehrt auf Death Metal-Konzerten unterwegs und entwickelte eine große Motivation und viel Spaß dabei, das Geschehen auf Konzerten festzuhalten. Schaut man sich die Fotos von damals an, kann man zwar überhaupt nichts damit anfangen, aber das ist egal, denn es waren Wegbereiter für meinen heutigen Job.

Was versuchst du auf den Fotos einzufangen? Wie wählst du die Motive aus?

Laura: Ich achte vorrangig auf die Stimmung und schmeiße mich dann in die Menge, gehe vor und auf die Bühne oder in den Fotograben. Mir ist nicht daran gelegen, das perfekte Portrait eines einzelnen Musikers einzufangen, es sei denn, es ist gewünscht.

Ich habe für mich auch festgestellt, dass die besten Bilder entstehen, wenn ich mit Herzblut dabei bin und ich meine Freunde um mich habe. Dabei geht mein Herz auf und ich denke, das überträgt sich dann auf meine Bilder.

Was ist die Idee hinter deinem Fotoblog Love Peace and Rock’n’Roll?

Laura: Die Idee ist es, die Konzertfotos nicht auf meiner Festplatte vergammeln zu lassen. Da ich mein Geld hauptberuflich mit Peoplefotografie verdiene, konnte ich das nicht so wirklich miteinander verbinden. Dennoch wollte ich durch den Musikblog regelmäßig kommunizieren und eine Anlaufstelle für Bands und Veranstaltungen haben, an meine Bilder heranzukommen.

Laura Vanselow 3

Foto: Catabolic Messenger

Was war dein bisheriger professioneller Werdegang?

Laura: Nach meinem Abitur entwickelte sich relativ plötzlich mein Interesse für die Fotografie. Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass ich schon früher immer eine Kompaktkamera dabei hatte. Das bezeugten meine vielen Fotokisten, die meine komplette Jugend dokumentieren. Und so beschloss ich 2005, ein Praktikum in einem Fotostudio anzufangen, um die Basics zu erlernen. Nach anderthalb Jahren hatte ich das Bedürfnis, mich weiterzuentwickeln und begann dann eine Ausbildung zur Fotodesignerin. Danach ging ich für ein Jahr nach London, arbeitete dort als Fotoassistentin und sammelte weitere Erfahrungen. Zurück in Berlin ging ich in die Festanstellung. Diese löste ich nach zwei Jahren wieder auf, da ich merkte, dass mich das zu sehr einschränkt und die Kreativität komplett flöten geht. Deshalb habe ich mich leicht neu orientiert und bin nun als Fotografin selbständig unterwegs.

Du kannst deine Erfahrungen dann ja eventuell mit London vergleichen. Hast du den Eindruck, dass die Szene hier anders ist als die Londoner Szene?

Laura: Mein Eindruck ist, dass sie relativ ähnlich aktiv ist. Du hast in London genauso musikvernarrte Metalheads wie irgendwo anders auf der Welt. Musik ist das verbindende Element und man trifft sich dort genauso in Bars und auf Konzerten wie in Berlin. Dadurch habe ich schnell Anschluss gefunden und heute noch Kontakt zu dem einen oder anderen.

Die Ähnlichkeit besteht auch darin, dass du in London einfach viele Möglichkeiten hast, Konzerte oder Pubs zu besuchen. Es ist eine lebendige und übersättigte Stadt, ähnlich wie Berlin, nur größer.

Gibt es mit deiner Arbeit eine bestimmte Richtung, in die du gehen willst?

Laura: Ideen dazu gibt es viele. Ich befinde mich allerdings gerade wieder in einer Orientierungsphase und möchte nicht allzu viel darüber sagen. Mal schauen, was die Zeit bringt.

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Foto: Franzi

Was fasziniert dich (immer noch) an der Berliner Metalszene?

Laura: Naja, 80 Prozent meiner Freunde bewegen sich in diesem Gefilde. Aus diesem Grunde fühle ich mich irgendwie immer aufgehoben. Die Szene setzt sich für mich aus Freunden und Bekanntschaften zusammen. Es ist immer etwas los. Was ich auch spannend finde ist, dass du mit jedem Jahr Menschen richtig kennenlernst, sodass aus einer Bekanntschaft, die du manchmal schon seit 8-10 Jahren kennst, eine Freundschaft wird. Das ist eine Bereicherung! Es bleibt nie stehen. Die Leute sind motiviert, den Underground zu unterstützen. Ich finde es schön zu sehen, was daraus entsteht.

Konntest du durch die Fotografie feststellen, ob es für die verschiedenen Subgenres einen bestimmten Berliner Stil gibt?

Laura: Wenn ich jetzt wieder nur London mit Berlin vergleiche, ist das Publikum in London etwas gemischter. In Berlin hast du selten bis nie Gothic-Anhänger auf z.B. einem Death Metal-Konzert, was in London ganz anders ist. Da gibt es Punks, Gothics und den klassischen Death Metaller mit Band-Shirt, Jeans und Sportschuhen, alles gemischt. In Berlin wird dann eher komisch geguckt. Das stört mich manchmal, denn es ist nun wirklich egal, wie jemand aussieht, solange die Person wegen des Spaßes an der Sache dabei ist.

Es lässt sich ja dann vermuten, dass man leichter akzeptiert wird, weil die Szene in London kleiner ist?

Laura: Nein, ich denke, das hat nichts mit der Größe der Szene zu tun. London ist einfach bunt gemischter und offener. London ist multikulturell. Es gibt auch in den Bars ein unterschiedliches Klientel: In London gehen unterschiedliche Subkulturen in eine Bar, weil dort beispielsweise Rock, Metal oder Gothic läuft. In Berlin gibt es dafür jeweils eine Gothic-Bar und eine extra Metal-Bar. Vielleicht ist es in Berlin auch einfach die Sicherheit zu wissen, auf wen man trifft, wenn man in eine bestimmte Kneipe geht.

Was steht für dich als nächstes konkretes Projekt an?

Laura: In Sachen Konzertfotografie steht die Organisation für das Swamp Fest an. Ich übernehme die Fotografenakquise, Künstlerakquise et cetera. Ich setze mich dabei auch explizit für die Rechte der Fotografen ein und achte darauf, dass sie entlohnt werden, was leider in Berlin nicht die Gewohnheit ist.

Zum Ende wieder die kurzen Fragen: Aktuelle Lieblingsband aus Berlin?

Laura: Ich kann eher sagen, wen ich vermisse. (lacht.) Ich vermisse Unsoul! Unsoul, bitte gründet euch wieder! Intravenous Contamination sind super. Die Pissing-Band ist mir ans Herz gewachsen. Orphan Playground Sniper ist einfach DIE Partyband schlechthin. Ich habe aber vor kurzem auch eine neue fette Brutal Slam Death-Band für mich entdeckt: Traumatomy!

Ansonsten sind folgende Bands immer aktuell bei mir: Death, Obituary, Dying Fetus, Devourment, Malignancy ( u.a. wegen des extrem sympathischen Sängers).

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Foto: Laura Vanselow/metaltalks.de

Lieblingsclub?

Laura: Ich mag tendenziell eher die kleineren Sachen wie das Tiefgrund, die Supamolly oder auch das U5. Da kommt dann mit der PITM-Party wieder so ein Stahlwerk-Feeling auf. An Bars mag ich vor allen Dingen die Klause. Die ist wie eine Art Wohnzimmer für mich.

Lieblingskünstler?

Laura: Fatima, Rayality und Sepsyz Art. Dann werde ich bald für das Swamp Fest auch in diesem Bereich akquirieren und freue mich auf ganz viele tolle Künstler, die ich noch entdecken darf.

 

Vielen Dank für das Interview und den Kaffee!

Hier findet ihr noch die Links zu Laura Vanselow Photography und zu ihrem Musikblog.

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