Bis aufs Messer 3

Bis aufs Messer – No Bullshit

Mein persönlicher Lieblingsplattenladen in Berlin-Friedrichshain: Bis aufs Messer. Seit 2006 eher versteckt auf der Schattenseite der Warschauer Straße zu finden, wächst und gedeiht die DIY-Perle. Ein Gespräch mit Stefan von Vendetta Records/Bis aufs Messer.

Stefan, was hat es mit dem Dreigestirn aus Bis aufs Messer, Vendetta Records und Adagio830 auf sich?

Stefan: Vendetta Records und Adagio830 sind jeweils eigene Label. Robert begann 1995 mit Adagio830, ich mit Vendetta Records im Jahr 1999. Zusätzlich baute jeder einen eigenen Mailorder auf. Irgendwann hatten wir so viel Zeug, dass wir uns auf die Suche nach einem günstigen Laden machten. Im Oktober 2006 hatten wir zunächst einen Drei-Jahres-Mietvertrag. Mittlerweile sind wir mit Bis aufs Messer seit acht Jahren hier.

Wie lief die Anfangsphase? Wie konntet ihr auf euch aufmerksam machen?

Stefan: Das Gute waren unsere funktionierenden Mailorder. Wir hatten also eine Stammkundschaft und haben, so meine ich, einen guten Stand in der ostdeutschen DIY-Szene. Von dort aus wuchs es schnell. Zudem bekamen wir ziemlich gute Presse; von der Berliner Zeitung bis zum Rock Hard.

Was steht im Fokus eurer Arbeit: Laden, Webshop oder eure jeweiligen Label?

Stefan: Die Labels sind mehr oder weniger Hobbies. Wir haben nur eine Kasse, sodass die Labels irgendwie mitlaufen müssen. Ohne sie hätten wir bestimmt mehr Geld (lacht.) Aber das ist das, was am meisten Spaß macht. Zu Beginn lag der Fokus mehr auf dem Mailorder. Seit vier oder fünf Jahren ist der Laden nun unsere zentrale Aufgabe.

Bis aufs Messer 1

Foto: Privat

Du sagtest, zu Beginn kamen vor allen Dingen Leute, die euch kannten. Hat sich das Publikum denn gewandelt?

Stefan: Sehr. Wobei sich auch unser Fokus verschoben hat. Am Anfang waren wir ein reiner Laden für Hardcore, Grind, Punk, Sludge, Doom und ein bisschen Black Metal. Mittlerweile haben wir viel Garage Punk, Free Jazz und Kraut. Dieses Publikum sind vor allen Dingen Menschen, die schon lange Platten sammeln.

Kannst du mir die Aussage auf der Vendetta Records-Seite „vendetta has an anarchist point of view and is absolutely anti-fascist, anti-nation!“ erläutern?

Stefan: Das hat etwas damit zu tun, was ich mir für Bands an Land ziehe. Ich habe zum Beispiel viele Metal-Platten herausgebracht; aber keine Metalbands. Meine Bands sind alles Menschen, die aus dem Hardcore-Hausbesetzer-Milieu kommen. Ich höre zwar Metal seitdem ich zehn Jahre alt war, habe mich jedoch nie als Metaller gefühlt. Ich wurde mal 1994 auf einem Immortal-Konzert verkloppt, weil ich ein Ho-Chi-Minh-T-Shirt anhatte. Deswegen konnte ich mit der Metalszene nie so richtig etwas anfangen.

Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Musik auf jeden Fall einen politischen Background haben muss. Nicht jede meiner Bands artikuliert ihre Meinung und sie sind bestimmt auch nicht in allen Dingen einer Meinung mit mir. Aber ich achte schon darauf, dass wir alle aus demselben Umfeld kommen.

Achtet ihr darauf auch bei der Auswahl eurer anderen Partner?

Stefan: Unbedingt. Ich habe heute beispielweise eine Tauschanfrage eines Labels aus den USA erhalten, das Platten von Krieg und Nachtmystium herausgebracht hat. Damit will ich nichts zu tun haben. Ich will mir keinen Scheiß reinstellen!

Mir gefällt besonders eure ausgewogenes, hochwertiges Plattensortiment. Hast du persönliche Schätze, auf die du stolz bist?

Stefan: Zuhause unter Garantie, ich habe eine Menge Platten in meiner Wohnung. Dabei bin ich noch derjenige mit den wenigsten Platten von uns.

Bis aufs Messer 4

Foto: Privat

Vielleicht gibt es ja Platten, die dich sentimental werden lassen…

Stefan: Das sind die ersten vier Platten, die ich mir nach der Wende von meinen hundert Mark Begrüßungsgeld gekauft habe. Das waren W.A.S.P. – Live in the raw, Running Wild – Branded and exiled, Voivod – Dimension Hatröss und Helloween – Keeper of the seven keys Pt.1. Die besitze ich immer noch. Es gibt natürlich Platten, die mittlerweile viel wert sind. Ich habe zum Beispiel die Scheiben von Neurosis komplett in Erstpressung. Die habe ich mir aber gekauft, als sie rauskamen oder auf dem Konzert der Band. Ich würde kein übermäßiges Geld dafür ausgeben.

Kannst du noch auf ein Konzert gehen, ohne an Arbeit zu denken?

Stefan: Das Gute ist, dass alles so ineinander übergeht, dass ich nicht merke, was Arbeit ist. Ich gucke mir einfach an, worauf ich Bock habe. Ich gehe oft alleine auf Konzerte, da die wenigsten meiner Freunde zu großen Acts gehen. Also, ich gehe beispielsweise zu Manowar, wenn die kommen. (lacht.) Ansonsten gehe ich lieber auf Konzerte von ganz kleinen Bands, die ich nicht kenne.

Bis aufs Messer 2

Foto: Privat

Gibt es einen Club, in dem du dich besonders wohlfühlst?

Stefan: Ich bin ein totaler Fan vom Tiefgrund. Das ist seit Jahren mal wieder ein Laden, in dem alles entspannt funktioniert. Wir machen dort selbst Konzerte.

Auf welchen deiner Releases freust du dich in nächster Zeit?

Stefan: Ich stehe auf Antlers. Das sind Spanier, die in Leipzig leben und Black Metal machen. Es wird deren erste Platte sein. Der Release ist im Mai, dafür spielen sie übrigens ein Frühabendkonzert (ab 18 Uhr) am Sonntag, 17.05., in der K19.

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Antlers – A gaze into the abyss (Vendetta) 2015

Welcher Cover-Artist aus Berlin gefällt dir besonders?

Stefan: Der Sänger von Ancst, Tom is the Bastard, macht viel für uns.

Was plant ihr demnächst?

Stefan: Ich mache kaum Konzerte aktuell. Es gibt dafür mittlerweile genug Leute. Ich habe aber Bock auf eine Vendetta Knüppelnacht. Eventuell mache ich das im Bei Ruth mit Ultha aus Köln und Seher aus Berlin, die finde ich echt geil! Der Termin steht aber noch nicht.

Vielen Dank für das sehr nette Interview!

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Alle Infos:

Bis aufs Messer: http://www.bisaufsmesser.com/store/ und https://www.facebook.com/BisAufsMesserRecordstore

Vendetta Records: https://vendettarecords.wordpress.com/

Adagio 830: http://www.adagio830.de/

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