Wolf City – Run with the wolves

Heavy Metal hat ein Zuhause in Kreuzberg gefunden: Wolf City. Die Veranstalter Ezio und Ricky holen mit großer Leidenschaft und viel Herz wahre Untergrundperlen in die Stadt. Im Mai findet das Live Evil Berlin statt, ihr erstes Festival.

 

Ezio, es gibt zu euren Veranstaltungen immer einen begleitenden Comic, der sofort im Gedächtnis bleibt. Wer gestaltet diesen Comic? Kannst du etwas über die Geschichte darin erzählen?

 

Ezio_Wolf City

© Thomas Huntke

Ezio: „Den Comic gestaltet Jan Utecht, ein befreundeter Grafiker. Jan ist auch Sänger bei Occvlta, einer Berliner Black-Metal-Band. Er hat bereits für unser allererstes Konzert mit Ranger und Reactory im SO36 das Poster gemacht. Damals liefen wir noch nicht unter Wolf City. Zu seiner Arbeit zählen viele Flyer und auch Logos für Bands: Kadavar und Heat unter anderem.

Er erfand diesen ‚Speed Metal Dude‘, den du auf den Bildern siehst. Kurz darauf ging es mit Wolf City los und wir wollten den Dude gerne in eine Art Comicstrip einbinden. Also geht seine Geschichte jeden Monat, passend zum nächsten Wolf City-Konzert, weiter. Das finden wir super! Für uns hat das mehrere Vorteile: Es ist originiell, ich persönlich mag Jans Kunst sehr und die Motive sind in schwarz-weiß gezeichnet, sodass es billiger für uns ist, sie zu drucken. Das sollte man nicht unterschätzen!“

 

Im Mai macht ihr mit dem Live Evil Berlin euer erstes großes Festival: Bist du aufgeregt deswegen?

Ezio: „Es war von Anfang an unser Wunsch, ein Festival zu machen. Wir waren vertraut mit dem Konzept des Live Evil London und fanden die Idee cool, so etwas in Berlin zu machen. Durch dritte Personen haben wir davon Wind bekommen, dass die Londoner Veranstalter das Konzept gerne exportieren wollten. Also haben wir einfach eine Mail hingeschickt und gefragt, ob sie Lust hätten, das mit uns zu machen. Einer der Veranstalter, Marek, kam genau vor einem Jahr auf unsere Einladung hin mit seiner Band Amulet nach Berlin, um eine Show zu spielen. Da haben wir die Sache festgemacht.

Weder ich noch Ricky, mein Partner bei Wolf City, haben Erfahrung mit dem Veranstalten eines Festivals. Aber im Grunde genommen ist es wie ein Konzert – nur ein bisschen größer! (lacht.) Es wird ja auch kein Riesenfestival. Wir haben uns bewusst fürs Cassiopeia als Veranstaltungsort entschieden. Da passen nicht unendlich viele Leute rein.

Die Warm-up-Show wird im Cortina Bob stattfinden. Das ist für uns ein Heimspiel. Die Aftershow-Party machen wir mit zwei Bands im Urban Spree. Es liegt neben dem Cassiopeia, bietet viel Platz und man kann im Sommer schön draußen sitzen. Am Ende sind es also drei Tage. Ich glaube, es wird schon eine krasse Erfahrung für uns, aber noch haben wir alles im Griff! (lacht.)

Gibt es ein musikalisches Highlight für dich auf dem Festival?

Ezio: „Ich finde jede Band cool, die wir eingeladen haben. Das macht mich ehrlich gesagt auch sehr zufrieden. Alle Bands, die auf dem Festival spielen werden, spielen nur, weil wir sie dort haben wollen. Es gibt keine Bands, die ich irgendwie nur ganz nett finde.

Die Mischung finde ich auch gut: Der Samstag ist etwas härter. Da spielen viele Death-Metal-Bands samt Bulldozer als Headliner. Ansonsten sind zum Beispiel Zex dabei, eine mehr oder weniger klassische Punkband mit NWOBHM-Einflüssen oder Amulet als reine Heavy-Metal-Band. Ich finde, wir haben das gut geplant! (lacht.)

Ich habe auf der Festival-Seite gesehen, dass ihr Deaf Forever als Partner für das Festival gewinnen konntet. Ist es das erste Mal, dass ihr eine Veranstaltung mit ihnen zusammen macht?

Ezio: „Ja, denn wir brauchen einen Mediasupport, der unser Zielpublikum hat. Das ist in Deutschland meiner Meinung nach nur Deaf Forever. Andere Magazine wie Rock Hammer oder Metal Heart berichten hauptsächlich über große Bands. Die interessieren sich nicht für die Sachen, die wir machen. Tatsächlich haben wir aber sonst nie so eine Art der Kooperation – wir sind sonst eher DIY! (lacht.)

Dread Sovereign Live 2014

Dread Sovereign & Procession | ©Thomas Huntke

Gibt es für dich eine Szene in Berlin?

Ezio: „Nicht so wirklich. Im Vergleich zu anderen Städten gibt es in Berlin weniger im Metal-Bereich, als man meinen sollte. In anderen Städten, die zum Beispiel im Ruhrpott oder im Süden liegen, ist bei Konzerten viel mehr los. Das liegt daran, dass es in Berlin ein großes Angebot gibt und das Publikum verwöhnt ist. Es gibt zwar einen Kern, aber ich würde ihn nicht als Szene definieren. Dafür ist zu wenig los und es gibt zu wenig aktive Menschen.“

Aber ist das nicht ein Widerspruch, wenn du sagst, es gibt viele Angebote? Irgendwer muss sie ja machen.

Ezio: „Genau, es gibt einfach ein Riesenangebot an allem! Es gibt eine Million Konzerte, Partys etc. in Berlin. Man wird ständig dazu aufgefordert, irgendwas zu machen. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum es verhältnismäßig wenig Bands gibt. Wenn man sich die Anzahl der Menschen ansieht, die sich mit Musik beschäftigen, dann sind es gar nicht so viele, die wirklich bekannt und/oder gut sind. Natürlich gibt es diese Bands! Aber es sind vergleichsweise wenig. Die Leute haben einfach mehr Bock darauf, Party zu machen. (lacht.) In kleineren Städten oder Gegenden, wo nicht so viel los ist, muss man sich anders beschäftigen. Deswegen steckt man dort viel Energie in Bands. Das ist meine persönliche Erfahrung.“

Dass die Leute sich nicht so engagieren?

Ezio: „Ja, ich merke das auch bei mir. Manchmal gehe ich nicht zu einem Konzert, weil ich schon die beiden Tage davor unterwegs war. Oder in der darauffolgenden Woche drei bis vier Konzerte anstehen. Man kann nicht zu allem gehen.

Die Punkszene hingegen ist größer und engagierter in Berlin. Sie hat hier auch eine Tradition. Berlin ist keine Metal-Stadt! Es war nie eine Metal-Stadt. Im Hard Rock/Classic Rock ist da schon mehr los. Es gibt ein paar bekanntere Bands: Kadavar, Heat und Travelin Jack etwa. Die ziehen viele Leute. Vor allem Kadavar sind echt groß geworden. Für den Stoner-Bereich gibt es das Berlin Swamp Fest und Leute, die bereits seit Langem viele gute Konzerte organisieren: Headz up und Dustown zum Beispiel. Im Stoner Rock ist man nicht so eingeschränkt, finde ich. Der Musikstil gefällt auch Leuten, die sonst wenig Stoner hören. Unsere Konzerte sind eher für hartnäckige Metalfans. Die Musik ist teilweise sperrig und entspricht nicht unbedingt den aktuellen musikalischen Trends. (lacht.)

RavencultDrowned_Wolf City

Ravencult & Drowned | ©Tenia Ole

Was war denn dann eure Motivation, Wolf City in Berlin zu machen? Ihr müsst ja ein Potenzial erkannt haben.

Ezio: „Ganz genau. Wir haben bemerkt, dass wenig im Underground los war. Es gab und gibt natürlich Andere, die Konzerte in unsere Richtung organisieren. Aber seltener als wir. Metal in Berlin besteht im Großen aus dem K17 und diesen Package-Tours. Da sieht man die kleineren, guten Bands maximal als Support live. Wir hätten sie aber lieber in einem kleineren Club als Headliner gesehen. Das wollten wir schlussendlich selbst organisieren.

Ricky und ich machen seit Jahren Konzerte. Da wir beide in Kreuzberg wohnen und ich bereits gute Erfahrungen mit dem Cortina Bob sammeln konnte, wollten wir dort eine monatliche Veranstaltung machen.

Wir hatten schon geahnt, dass es dafür ein Publikum gibt. Es sind nicht sehr viele Leute, aber die Nachfrage für derartige Underground-Metal-Shows ist da. Ehrlich gesagt hoffen wir auch, dass sich daraus eine Szene entwickelt. (lacht.) Darum machen wir die Konzerte: Um dem Publikum in entspannter Atmosphäre gute Bands zu zeigen. Aktuell machen wir nicht ganz so viele Konzerte, da wir mit dem Festival in vollem Gange sind. Aber ein Konzert mit Savage Master gibt es Anfang Mai noch.

Mein Wunsch ist es, dass wir zu einem Treffpunkt für den Underground-Metal in Kreuzberg werden und dass noch mehr Leute zu den Shows kommen. Das Feedback bisher ist aber super.“

Warum Wolf City?

Ezio: „Das war Rickys Idee. Wir waren glaube ich in der Rock’n’Roll Herberge und ein wenig dicht, als uns die Idee kam. (lacht.) Eigentlich ist das ein Song von Amon Düül, einer Krautrockband. Aber Wölfe sind halt Metal. (lacht.)

Kanntet ihr alle Bands, die ihr bisher gebucht habt, vorher oder entdeckt ihr auch neue Sachen durch externe Anfragen?

Ezio: „Das passiert immer wieder. Eines meiner Lieblingskonzerte war mit Vorum, einer Death-Metal-Band aus Finnland. Ein befreundeter dänischer Booker hatte uns die Show angeboten. Erst war ich gar nicht so heiß drauf, weil ich sie mal live gesehen hatte und Vorum mir nicht im Gedächtnis geblieben waren. Aber sie hatten zum Zeitpunkt der Anfrage einen neuen Song veröffentlicht, der super war. Diese Anfrage hat sich also als großartig entpuppt. Manchmal fragen uns sogar Bands an, von denen wir seit Jahren Fans sind – so geschehen bei High Spirits. Das war eine große Ehre!“

Wird das LiveEvil-Festival euer erstes Ding außerhalb der Cortina Bob sein?

Ezio: „Nein, das Hexvessel-Konzert im November 2015 haben wir bereits im Urban Spree veranstaltet. Die Bühne dort ist größer. Da die Cortina Bob eher ein Punkschuppen ist, kann ich auch verstehen, dass es dort für manche Bands nicht funktioniert. Aber ich mag die Cortina sehr und wir möchten Wolf City gerne in Kreuzberg lassen. Uns war es von Anfang an klar, dass wir die Veranstaltungsreihe hier machen wollen. Wir wohnen hier und die meisten unserer Freunde auch. Zuvor gab es hier keinen Ort für Metal. Es gibt nicht einmal eine Bar, die Metal spielt! Manchmal läuft was im Zum Franken, aber sonst auch nicht wirklich. Wir wollten den Metal nach Kreuzberg bringen!“

Procession Live 2014_Wolf City

Dread Sovereign & Procession | ©Thomas Huntke

Zu dir und deiner Entwicklung: Wo kommst du musikalisch her?

Ezio: „Ohje! (lacht.) Heavy Metal war meine allererste Liebe mit elf Jahren – Metallica, Ozzy Osbourne und was man damals so gehört hat. Als ich die Ramones entdeckte, war es erstmal vorbei mit Metal. Als Teenager sieht man alles schwarz-weiß. Da gab es entweder nur Punk oder nur Metal. In den Neunzigern war Metal ja auch irgendwie nicht mehr so richtig geil! (lacht.) Nach Punk kam Hardcore, danach ging es wieder zum Black Metal durch Schulfreunde. Neben Metal hörte ich dann aber auch viele andere Sachen, wie Noise, Jazz, Blues oder Post-Punk. Man hat ja auch immer mal so Phasen. Vor drei oder vier Jahren hatte ich auf einmal Bock, wieder viel mehr Metal zu hören! (lacht.) Ich lag am Strand und hörte eine NWOBHM-Compilation. Die hat mich richtig begeistert! In den letzten Jahren bin ich dann also in die Szene zurückgekehrt. (lacht.)

Hast du eine Berliner Lieblingsband?

Ezio: „Aktuell gibt es drei coole Berliner Punkbands: Piss, Diät und Life Fucker. Die sehe ich sehr gerne live. Ich empfehle sie auch ständig, also auch hier. (lacht.) Dann nenne ich Heat und Travelin Jack. Für Metal fallen mir definitiv Drowned und Necros Christos ein. Einzigartige Bands! Occvlta und Dolch sind Halbberliner, die würde ich aber auch empfehlen. Bei alten Bands versuche ich es mal mit Malaria! – Kenne ich nicht – Echt jetzt? Das ist ja ein Ding! (lacht.) Die machten Anfang der Achtziger industriellen Post-Punk. Zeige ich dir. Du kennst nicht „Kaltes klares Wasser“? – Ne, nur die Electro-Version von Chicks on Speed. – Die kenne ich wiederum nicht. Oh ja, und Einstürzende Neubauten natürlich.“

RavencultDrowned_2_Wolf City

Ravencult & Drowned | ©Tenia Ole

Lieblingsclub oder –kneipe?

Ezio: „Als Club natürlich die Cortina Bob, schon seit Langem. Die Atmosphäre, das Tresenpersonal und Dorle, die Betreiberin, sind einfach super. Den Festsaal Kreuzberg fand ich auch sehr schön, aber den gibt es ja leider nicht mehr. Eine Lieblingskneipe zu nennen, finde ich schon schwieriger. Ich arbeite selbst im Du Beast in Neukölln, da geht man ungern noch woanders hin. Wowsville liegt neben der Buchhandlung Leseglück, also für uns um die Ecke. Wir kennen dort alle. In den Franken und in die Madonna in der Wiener Straße gehe ich gerne. Dort gibt es eine super Whisky-Auswahl. Wir wollen übrigens selbst auch mal ein Tasting machen, allerdings mit Tequila. Es soll „Swords & Tequila“ heißen, wie der Song von Riot. (lacht.) Bisher reden wir aber nur davon. Mal schauen.“

Lieblingskünstler?

Ezio: Thomas Huntke ist ein sehr guter Fotograf, der uns gerade sehr viel hilft. Dann sei  natürlich noch einmal Jan Utecht genannt. Er ist ein großartiger Künstler! Eigentlich macht Jan Animationsfilme und sein erster Kurzfilm wird demnächst veröffentlicht. Da kann man gespannt drauf sein.“


Vielen Dank für das tolle Interview und die Poster!

Wolf City Facebook: https://www.facebook.com/wolfcityberlin

Live Evil Berlin: http://liveevilberlin.de/

 

 

Alle Poster: ©Jan Utecht für Wolf City

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