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Bärlin Pedäl Bättle – Skullcrushers

Das Bärlin Pedäl Bättle ist der Inbegriff des Selbermachens: Ein eigenes Konzept, ein gemeinnütziger Verein und sogar die Ausrüstung ist komplett handgefertigt. Das Fahrradturnier mit Lanze und Schild geht 2016 ins fünfte Jahr.

Baettle_2015_Grittymag-24Arne, kannst du für jemanden, der noch nie etwas davon gehört hat, erklären, was das Bärlin Pedäl Bättle ist?

Arne: „Das Bärlin Pedäl Bättle ist ein Ritterturnier auf und mit Fahrrädern – entstanden aus einem Wortspiel im Suff: Pedäl für Pedale und Bättle für das Kämpfen. Eher nebenbei ist die ganze Veranstaltung mittelalterlich bzw. im Mad-Max-Style angehaucht. In erster Linie machen wir das Bättle für die Leute, die daran teilnehmen. Wir wollen ein Wochenende lang abartig viel Spaß haben, uns auf die Birne hauen und danach einen saufen gehen.“

Seid ihr alle Fahrradfahrer?

Arne: „Ja, der Großteil von uns sind Fahrradfahrer – aber wir haben auch ein paar dabei, die eigentlich nicht Fahrrad fahren können. (lacht.) Sie sollten das wohl auch nicht mehr machen, da sie sich verletzen, sobald sie aufs Fahrrad steigen. (lacht.) Die Teammitglieder arbeiten in Fahrradläden, Kneipen oder sind die dortige Stammkundschaft. Es gibt auch ein paar Larper unter uns.“

Warum sucht ihr den Kampf?

Arne: „Das hängt mit der Untergrund-Radlerszene in Berlin zusammen. Dieser Kampfradler-Gedanke schwingt mit. Wenn wir schon kämpfen, dann richtig! Jemand anderes offiziell vom Rad schubsen zu dürfen, ist doch mal eine Ansage! Und hinterher ist man wieder Freund.“

Hätte man es nicht als Fight Club ohne Publikum aufziehen können?

Arne: „Das Publikum kam automatisch dazu. Wir brauchten immer mehr Platz, irgendwann ein neues Gelände und der organisatorische Aufwand wuchs stetig. Mittlerweile haben wir alle Kinder und müssen wir etwas mehr bieten, als nur den Wettkampf an sich. Es macht aber auch einfach mehr Spaß sich gegenseitig auf die Birne zu hauen, wenn Publikum dabei ist und einen anfeuert, als wenn man nur unter sich ist.“

Ist auch die Teilnehmerzahl der Teams über die Zeit gewachsen?

Arne: „Zu Beginn waren es vier Teams. In diesem Jahr werden es zehn oder zwölf Teams sein. Man muss ziemlich hinterher sein und den Leuten auf die Füße treten, damit sie auch zu den Treffen erscheinen etc.“

Wie hat sich denn die Organisation für das Bärlin Pedäl Bättle mittlerweile entwickelt?

Arne: „Am Anfang habe ich alles selbst organisiert bzw. andere Leute beauftragt, zum Beispiel etwas zu bauen. Ich habe alles, was ich brauchte, auf ein Fahrrad gekriegt. (lacht.) Heute brauchen wir einen 7,5-Tonner, den wir mehrmals durch die Gegend fahren müssen. Wir sind als Verein organisiert, mit Kassenwart und dem ganzen Kram. Das sind etwa dreißig Leute, wovon zehn aktiv sind. Es gibt aber auch Menschen, die nicht im Verein sind und uns trotzdem unterstützen, etwa die Kinderbetreuung beim Bättle übernehmen. Wir haben die Gemeinnützigkeit als Sportverein. Dadurch müssen wir das ganze Jahr über Veranstaltungen anbieten.“

 

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Was macht ihr zusätzlich zum Bättle?

Arne: „Auf der Fahrradmesse hatten wir im März ein Mini-Bättle, den Spring Fight. Wir organisieren öffentliche Trainingslager und wollen in Zukunft noch Fahrradrennen anbieten.“

Was zeigt ihr dieses Jahr auf dem Bärlin Pedäl Bättle vom 1. bis 3. Oktober 2016?

Arne: „Wir reisen zwei Tage vorher an und bauen auf. In diesem Jahr kann das Publikum an drei Tagen – Sonnabend, Sonntag und Montag – dabei sein. Samstag und Sonntag wird gekämpft.

Wir beginnen traditionell mit dem Einmarsch und der Vorstellung der Teams. Tjosten ist der Hauptwettkampf, sprich Lanzenreiten. Dann gibt es das Ritzelstechen mit Lanze, das Roland-Reiten, Nüsse knacken sowie Tauziehen als Mannschaftswettkampf. Als zweiter Mannschaftswettkampf gibt es in diesem Jahr den Schildwall – also wie Tauziehen nur mit Schieben und Kloppen. Dann noch das Wagenrennen-Tjosten, das erinnert ein wenig an Ben Hur. Neu sind Schwertkampf zu Fuß und zu Fahrrad. Für die Knappen gibt es noch die Wettbewerbe Fahrradweitwurf und Ritzelwerfen, sprich Dart mit Ritzeln.

Als Kinderprogramm können die Kids Schilde bemalen, Bogen schießen oder Sack hüpfen: Kinder vs. Eltern. Es gibt einen Schmied mit Schauschmiede und eventuell ein paar Larp-Kämpfer. Aber es gibt keinen Jahrmarkt oder so, der Kampf steht im Vordergrund.“

Gibt es wieder musikalische Begleitung?

Arne: „Für Sonntag sind die Bands schon fest. Ab 20 Uhr geht’s los mit Harmony Dies, Jehacktet und Indian Nightmare. Für Samstag plane ich noch. Dieses Mal gibt es aber definitiv eine bessere Anlage. Eventuell laufen wieder Leute mit einem Dudelsack durch die Gegend und spielen Musik.“

Gibt es eine Disziplin, die du besonders gern magst?

Arne: „Eigentlich das Tjosten, aber da bin ich leider verletzungsbedingt nicht mehr dabei. Ich habe mich zwar nie mit Ruhm bekleckert, aber es macht Spaß, den anderen mit Lanze und Schild wegzubügeln. Ich nehme jetzt nur noch am Streitwagen-Tjosten teil.“

 

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Wie häufig verletzt ihr euch beim Bättle?

Arne: „Naja, letztes Jahr hat es mir leider die Kreuzbänder zerschossen. Aber es gibt selten ernsthafte Verletzungen. Die häufigste Verletzung war bisher die geknickte Ehre. (lacht.) Ein paar Knochenprellungen gab es und mal eine gebrochene Hand. Wir achten aber auf eine passende Kleidung und bauen das weiter aus. Es soll niemand seinen Kopf oder die Zähne verlieren. Wir bauen die Waffen selbst, sodass alle die gleichen Voraussetzungen haben und niemand z. B. mit einer scharfen Lanze am Wettkampf teilnimmt.“

Was stellen die einzelnen Teams?

Arne: „Sie bringen die persönliche Ausrüstung mit. Die Fahrräder und Streitwägen werden von uns im Vorfeld abgenommen, um zu garantieren, dass keine scharfen Teile dran sind. Es ist interessant zu sehen, was bei den anderen so entsteht.“

Wie lange dauert es, neue Ausrüstung anzufertigen?

Arne: „Kaufen geht schnell. Aber wir probieren viel aus, gehen in die Werkstatt und mit etwas Glück kommt nach ein paar Stunden was Brauchbares bei rum. Für die Lanzen haben wir mittlerweile eine Modulbauweise, sodass wir nur noch Einzelteile austauschen müssen. Das geht schneller. Auch die Deko ist im Laufe der Zeit aus Fahrradresten entstanden.“

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Gab es die Überlegung, das PedälBättle im Rahmen eines Mittelaltermarktes abzuhalten?

Arne: „Es gab bereits Anfragen, ob wir das Bättle auch woanders abhalten würden, aber da war keine Jahrmarktattraktion sind, sondern das als sportlichen Wettkampf begreifen, passt das nicht. Der Aufwand ist zu groß, um es mehrmals im Jahr zu machen. Wir müssen uns auch nicht auf anderen Veranstaltungen lächerlich machen. (lacht.) Dann wird es irgendwann zu albern.“

Gab es andere externe Anfragen?

Arne: „Es gab schon eine Anfrage von Galileo, aber da haben wir keine Lust zu. Sie haben auch Geld geboten, aber trotzdem. Wir suchen uns die Medienpartner aus, die über uns berichten. Zum Beispiel arbeiten wir mit dem RBB zusammen, die Berichte von denen waren immer gut. Wir wollen nicht, dass irgendwelche Fragen weggelassen werden oder Aussagen so zusammengeschnitten werden, dass wir besonders aggressiv rüberkommen.“

Du bist der Jarl. Was bedeutet dein Titel während des Bättles?

Arne: „Der Jarl oder Earl ist ein Adelstitel aus dem skandinavischen Raum. Er ist der Stammesführer. Ich wurde irgendwann dazu verdonnert, dass ich zwar im Vorfeld die Orga mache, auf dem Bättle selbst aber nichts damit zu tun habe. Ich übernehme repräsentative Aufgaben und Presseanfragen. Ich soll quasi die Fresse halten und gut aussehen.“ (lacht.)

Habt ihr auch Zuschauer, die von außerhalb anreisen, um euch kämpfen zu sehen?

Arne: „Ja, es gibt Leute, die extra anreisen. Teamseitig ist in diesem Jahr wieder ein Team aus Hamburg dabei. Wir hatten schon mal drei Hamburger Teams, aber das sind Pussys, die hören alle Electro. (lacht.) Wenn wir Glück haben, kommt ein Team aus dem Pott dazu.“

Welche Eigenschaften muss ein Turnierteilnehmer mitbringen?

Arne: „Man sollte nicht zu großkotzig sein, sondern einfach entspannt bleiben. (lacht.) Wir brauchen keine Fußballhools. Man sollte trainieren und ein bisschen Kondition mitbringen. (lacht.) Meine Ausrüstung wiegt etwa dreißig Kilo. Im Team trainieren wir die Kommandos, damit nicht jeder macht, was er will.“

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Gibt es in Berlin deiner Meinung nach gute Strukturen, um eine derartige DIY-Veranstaltung umzusetzen?

Arne: „Dadurch, dass die Stadt groß ist und noch Freiräume bietet und über meinen Freundeskreis, lässt es sich hier leichter realisieren als in anderen Städten. In Berlin kann man gut mit anderen Firmen und der Stadt zusammenarbeiten.“

Welche DIY-Projekte hast du früher bereits umgesetzt?

Arne: „Ich war in den 90er Jahren Kurierfahrer und habe Ende der 90er Jahre unangemeldete Fahrradrennen, Alleycats, organisiert. Teilweise gab es 180 Teilnehmer. Der organisatorische Aufwand war wesentlich geringer als bei einem dreitägigen Bärlin Pedäl Bättle. Aber man musste Checkpoints finden und Leute akquirieren, die diese Checkpoints betreuen usw. Natürlich habe ich auch andere bei der Abwicklung solcher Rennen unterstützt, wenn ich sie selbst nicht veranstaltet habe. Heute ist es eher schwieriger, Leute zu finden, die selbst fahren wollen. Alle sind alt und wollen lieber helfen, aber ich brauche Fahrer!

Ich bin auch immer noch ziemlich analog aufgestellt, was das Ankündigen von Veranstaltungen angeht und verbreite viel über den Freundes- und Bekanntenkreis. Ich drücke Leuten lieber was in die Hand, als es per Mail rumzuschicken. Das finde ich sympathischer.“

Ist die Berliner Szene für dich charakteristisch? Was zeichnet sie aus?

Arne: „Es gibt immer noch eine Handvoll kleiner Clubs. Konzerte werden ohne große Agenturen veranstaltet. Dass man auch mal unbekanntere Bands spielen lässt und ihnen eine Chance gibt, ist charakteristisch. Ich höre selbst ziemlich breit gefächert Musik. Meine Kriterien sind: Es gibt eine Gitarre. Es muss laut sein. Und Krach machen. Ich höre Oi, Metal und alles mögliche. Ich gehe gerne auf Konzerte und höre Musik, aber bin selbst unmusikalisch und kann wenige Texte mitgröhlen.“

Berliner Lieblingsclub oder -bar?

Arne: „Das SO36 finde ich eigentlich immer gut. Im Wild at Heart war ich früher sehr gern, da gab’s geile Bands. Aber mein letzter Besuch ist schon länger her. Im Cassiopeia habe ich selbst auch gearbeitet. In der Jägerklause arbeite ich natürlich und bin hier auch oft.“

Berliner Lieblingsbands – aktuell und Alltime-Favorites?

Arne: „Indian Nightmare finde ich aktuell richtig geil. Punishable Act und Troopers fand ich in den 90ern gut. Bad Brians gehören definitiv zu meinen Berliner Lieblingsbands.“

 

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Alle Bilder und Titelbild: ©Jens Blumberg


Vielen Dank für das Interview und Hals- und Beinbruch!

Bärlin Pedäl Bättle: http://www.bärlinpedälbättle.de/

Bärlin Pedäl Bättle Facebook: https://www.facebook.com/BärlinPedälBättle-471330592888796/

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