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Berlin Deathfest – The name is the game

Bock auf Death Metal aufs Gesicht? Ab nach Berlin-Hellersdorf: Das Berlin Deathfest lädt am zweiten Oktoberwochenende zum Circle Pit.

Ein Gespräch mit David, einem der Organisatoren und Gitarrist bei In Demise.

Das Berlin Deathfest geht in Kürze in die vierte Runde: Wieso habt ihr euch dazu entschieden, die Vorverkauf-Tickets nicht mehr über Bigcartel anzubieten?

David: Zum einen hast du bei Paypal Gebühren, die sich bei jedem Ticket abziehen. Zum anderen haben wir auf unserer Homepage die Möglichkeit, das Geld direkt auf unser Konto zu überweisen. Das macht es einfacher für uns und kein Dritter verdient daran! Im ersten Jahr haben wir unsere Tickets noch per Post verschickt. Dafür haben wir jetzt auch die E-Ticket-Lösung, über die ich mich sehr freue.

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In Demise © Berlin Deathfest

Wie hat sich der Vorverkauf entwickelt?

David: In den ersten Jahren waren es vor allen Dingen Nicht-Berliner, die sich bereits im Vorverkauf ihr Ticket gesichert haben. Davon waren sogar 50 Prozent Nicht-Deutsche, viele davon Holländer und Schweizer. Letztes Jahr lief der Vorverkauf sensationell! Nach dem Death Feast Open Air zog es auf einmal an und die Leute haben uns die Bude eingerannt.

Wie viele Menschen passen ins Eastend Berlin?

David: 400, deswegen mussten wir letztes Jahr leider auch einige Menschen abweisen.

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© Berlin Deathfest

Bist du denn zufrieden mit dem Umzug ins Eastend?

David: Ja, das Eastend ist auf jeden Fall ein Volltreffer. Letztes Jahr hatten wir meiner Meinung nach das erste Mal Festivalflair. In den ersten beiden Jahren war es zwar auch irgendwie da, aber ich war stärker eingebunden, sodass ich ziemlich reizüberflutet war. Die Abläufe waren zu Beginn total unstrukturiert und wir haben zum Beispiel die Bar total unterschätzt. Da konnte mein Bruder mit seiner Gastroerfahrung zum Glück System reinbringen. Aber ich hatte in den ersten beiden Jahren nicht die Chance, irgendeine Band zu sehen. Im vergangenen Jahr konnte ich dann von jeder Band wenigstens mal einen Song sehen.

Man ist zwar trotzdem immer der Anlaufpunkt, aber es geht. Denny kümmert sich um die Bühne, Marco und ich sind unten ansprechbar. In diesem Jahr hilft uns Anja ganz engagiert. Das wird uns auch nochmal entlasten. Die Bar und Security haben wir ans Eastend abgegeben.

 

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Stillbirth © Berlin Deathfest

Eine Rückschau: Wie seid ihr gestartet?

David: Die Idee zum eigenen Festival hatten Denny, einer meiner Mitorganisatoren und Gitarrist bei Intravenous Contamination und Pighead, und ich bereits 2010 im K17. Ich wollte gern das Filthrock Festival wiederbeleben. Dann haben wir einen Plan geschmiedet und 2012 den Berlin Death Metal e. V. gegründet. Von da ging es sehr schnell. Allein mit dem Namen Berlin Deathfest konnte Denny sehr viele Bands ansprechen. Eigentlich wollten wir am Anfang mit einem Ein-Tages-Festival starten und gucken, wie es läuft. Aber es waren schnell so viele Bands dabei, dass wir es auf zwei Tage ausdehnen konnten. Gleich beim ersten Mal lief es richtig gut.

Hättest du gedacht, dass ihr so weit kommt in diesem Jahr bereits die vierte Ausgabe zu veranstalten?

David: Ich habe immer nur bis zum nächsten Fest geplant. In diesem Jahr überlege ich zum ersten Mal, bereits jetzt zwei bis drei Bands für die nächste Ausgabe ranzuholen. Dadurch, dass wir mit dem Festival mehr oder weniger plus minus null fahren, kann es immer sein, dass das nächste Berlin Deathfest das letzte ist. Falls wir mal mit einem großen Minus rausgehen würden, müssten wir aufhören. Da kann man nicht draufzahlen.

Ursprünglich wollten wir das Festival als Open-Air auf dem Tempelhofer Feld veranstalten. Die Frage ist heute, ob es das noch bringen würde. Mittlerweile gibt es glücklicherweise wieder mehrere kleine Festivals, auf die es sich lohnt zu fahren, zum Beispiel das Ranger Rock.

Der Zeitpunkt zum Oktober ist ideal für uns. Das Eastend ist eine super Location und falls es dort weiter so gut läuft, müssen wir schauen, wie wir größer werden können.

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© Berlin Deathfest

Wie kommt ihr an diese ganzen Bands ran, die nicht auf Tour sind?

David: Meine Devise war schon immer: Wenn du es nicht versuchst, kann es auch nicht klappen. Fragen kostet ja nichts! Wenn ich jemanden nicht kenne, spreche ich die Person an und meistens sagt man mir dann zu. Ich und Denny kennen auch viele Leute durch unsere Bands und das Touren mit den eigenen Bands. Da spricht man mit anderen Veranstaltern, zum Beispiel Joe vom UK Slam Fest. Dadurch entsteht ein riesiges Netzwerk.

Im vergangenen Jahr haben sich die Bands größtenteils selbst bei uns beworben. In diesem Jahr haben wir verstärkt danach geschaut, dass wir exklusive Bands anbieten können, die nicht schon auf drei anderen Festivals im Sommer gespielt haben. Wir haben zum Beispiel zwei Bands aus Weißrussland dabei.

Berlin ist bei den Gagen auch immer ein gutes Argument. Die Bands kommen dann ein paar Tage länger und gucken sich die Stadt an. Malignancy sind ein solches Beispiel für die 2016er Ausgabe. Ich finde es schön, dass es so funktioniert. Mit einem anderen Namen als dem Berlin Deathfest würde es wahrscheinlich nicht so gut laufen.

Wie viele Leute bilden bei euch den harten Kern? Wie viele Helfer habt ihr zum Festival?

David: Der harte Kern sind fünf bis sechs Leute. Umso näher das Festival rückt, umso mehr Helfer kommen dazu. Dann geben uns Saab Nasar von Rising Nemesis Records oder Frank von Morbid Generations noch den einen oder anderen guten Bandkontakt. Insgesamt brauchst du circa 18-20 Helfer.

Im letzten Jahr hatten wir zwei sehr große Crews: Uns und die Leute vom Eastend. Das lief reibungslos. Wir haben nur die Leitung und die Tür gemeinsam gemacht. Wir haben uns komplett aus der Bar ferngehalten. Das war eine lustige Situation: Im Vorfeld haben wir ihnen die Zahlen von der Bar aus 2014 gegeben. Das haben sie uns gar nicht geglaubt! Sie hatten nur zwei große Paletten mit Bier, Softdrinks und ein bisschen Schnaps besorgt. Wir haben ihnen klargemacht, dass das maximal für die ersten sechs Stunden reichen wird. Dann sind sie panisch losgezogen und haben Nachschub besorgt!

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Defeated Sanity © Berlin Deathfest

Du hast angedeutet, dass du mit der Idee des Berlin Deathfest das Filthrock wiederbeleben wolltest. Warum brauchen wir in Berlin ein Death-Metal-Festival?

David: Bis 2008 gab es nur zwei bis drei Veranstalter, die in dem Bereich etwas gemacht haben. Sie tauschten sich untereinander gut aus. Bis 2007 gab es wöchentlich die Stahlwerk-Party im Lime Club. Als sie dann nur noch monatlich stattfand und später gar nicht mehr, gingen die Konzertaktivitäten insgesamt zurück. Ich hatte das Gefühl, man hätte einfach die nachfolgende Generation, die Kiddies, vergessen. Schon in meinem Jahrgang lief es so. Als wir in die Szene kamen, interessierte sich keiner für uns. Es waren vielleicht nur fünf bis sechs Jahre Altersunterschied, aber nach meiner Erfahrung ändert sich die Szene auch alle fünf Jahre. Da muss man dranbleiben. Da Berlin so groß ist, driftete alles auseinander. 2009 ging die Szene dann in Richtung Hardcore. Die Hardcore-Leute waren besser organisiert. Deswegen wollte ich seit 2009 was machen und der Szene nicht beim Sterben zusehen.

Wie ist es in Berlin Konzerte zu organisieren?

David:  Diejenigen, die ein bis zwei Jahre lang Konzerte organisieren, sind schnell wieder raus, weil die Szene einfach undankbar ist. Du darfst dir nicht zu viele Fehler erlauben. Wenn du dir im Metal einmal die Gunst verkackst, kannst du dein Projekt einpacken. Da denke ich ans K17. Bis vor einem halben Jahr war das K17 der einzige Laden, der konstant Veranstaltungen organisiert hat. Das wurde immer weniger, die Veranstaltungen wurden mainstreamiger. Ich finde aber, ein Stück weit sind wir als Szene selbst daran schuld. Wenn wir – gerechtfertigt oder ungerechtfertigt – nicht mehr ins K17 gehen, dann müssen wir auch damit leben, dass dieser große gemeinsame Anlaufpunkt nicht mehr existiert. Es gibt noch ein paar andere Fixpunkte, aber es geht in Berlin viel unter.

Zur Undankbarkeit: Ich erinnere mich gut an eine Szene vom Warm-up-Konzert für das zweite Berlin Deathfest. Diese Generation vor uns, die fünf Jahre Älteren, wollte auf unserer Warm-Up-Party an der Tür mit uns diskutieren. Wir hatten den Deal, dass Leute, die ein Ticket fürs Festival hatten, einen ermäßigten Eintritt von drei Euro zahlen. Alle ohne Ticket sollten fünf Euro zahlen. Das fanden diese Leute, die uns nie unterstützt haben, zu teuer. Also sagte ich zu ihnen, kein Ding, kauft euch heute das Ticket fürs Festival, dann kommt ihr für drei Euro ermäßigt rein. Sie guckten sich den Flyer an und meinten abschätzig: „Son Dreck brauch ich nich! Ich will jetzt für drei Euro rein!“ Das ist aber ein metalspezifisches Problem, vielleicht sogar ein regionales.

Während ich in Europa auf Tour war, habe ich gemerkt, dass die Besucher in anderen Ländern bereitwillig den Preis für das Tour-Package zahlen, wenn sie davon überzeugt sind. Die Szene ist vielleicht nicht so groß wie hier, aber dafür gut vernetzt.

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Jehacktet © Berlin Deathfest

Gehst du mit dem Hintergedanken auf Konzerte und Festivals, dass du spannende Bands für dein eigenes Festival entdecken könntest?

David: Ne, eigentlich will ich nur entspannt die Bands genießen. Ich habe es mir schon vor Jahren abgewöhnt, als Musiker auf Konzerte zu gehen. Das ist noch viel nerviger, als als Veranstalter dort zu sein! Ich will Bands sehen, die mir gefallen und Spaß haben.

Welche Veranstaltung aus dem Death-Metal-Bereich gefallen dir persönlich besonders gut?

David: Das Festival, an dem sich auch das Berlin Deathfest ein Stück weit orientiert, ist das Mountains of Death. Es fand 2011 zum letzten Mal statt und war auf 666 Personen begrenzt. Das lag mitten in Europa, in einem Schweizer Bergtal an einem kristallklaren Fluss. Der Sound war gut und die Menschen kamen aus allen Ecken der Welt. Alle waren entspannt.

Death Metal, vor allem im Underground, ist meiner Meinung sehr friedlich. Man klärt Differenzen mit Worten. Ich habe noch nie eine Schlägerei erlebt. Die Leute sind sehr weltoffen. Ich mag es zum Beispiel auch nicht, wenn andere auf Konzerten ihre Nationalflagge rausholen. Für mich ist Death Metal eine Multikultibewegung. Auf einem Death-Metal-Fest ist Nationalität scheißegal! Das Obscene Extreme, wo nicht nur Death Metal sondern auch Grind gespielt wird, ist von der Atmosphäre her auch eine Leitidee für mich. Es ist einfach eine Kategorie größer als das Mountains of Death. Die Leute sind die gleichen. Aus Veranstaltersicht schaut man auf anderen Festivals schon, wie die das machen.

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© Berlin Deathfest

Lass uns über das kommende Berlin Deathfest sprechen: Worauf können wir uns freuen?

David: Ich freue mich sehr auf Malignancy. Sie sind eine meiner Lieblingsbands. Das Feedback zeigt, dass sich das Publikum auf Extermination Dismemberment aus Weißrussland freut. Die haben seit vier Jahren nicht mehr außerhalb ihrer Heimat gespielt. Diese qualitativ hochwertigen Kleinigkeiten machen unser Lineup aus. Ich freue mich noch auf Cytotoxin, Kraanium, Carnal Decay und Begging for Incest. Letztere feiern ihren Release bei uns.

Welche Band hast du noch auf der Wunschliste, die bisher nicht auf dem Berlin Deathfest gespielt hat?

David: Ich hätte sehr gern Wormed, Brodequin oder Unfathomable Ruination auf unserem Festival gehabt. Die waren aber alle schon auf dem Death Feast. Disgorge oder Sanatorium wären auch noch sehr cool. Vielleicht klappt ja was davon im nächsten Jahr. (lacht.)

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Pighead © Berlin Deathfest

Gibt es Wünsche für den Berlin Deathmetal e. V.?

David: Wir hatten mal überlegt, ein Gebäude zu erwerben, wo wir unsere Veranstaltungen machen könnten. Aber in Berlin ist es meist so, dass man sich etwas aufbaut, ein paar Proberäume, eine Bar und eine Konzerthalle anbietet, alles zum Laufen bringt und dann kommt irgendein Investor und dein Pachtvertrag wird nicht verlängert. Darauf haben wir keine Lust. Es müsste dann natürlich auch so funktionieren, dass eine Handvoll Menschen davon leben könnten. Dafür sind wir aber alle zu bodenständig.

Deine Berliner Lieblingsband?

David: Sinners Bleed spielen dieses Jahr bei uns. Darauf freue ich mich sehr. Das ist eine Heldenband von früher. Defeated Sanity zählen auch in diese Kategorie.

Lieblingslocation in Berlin?

David: Ich bin mit dem K17 groß geworden, sodass es für mich als Musiker immer das Ziel schlechthin war, im K17 oder auf dem Fuck the commerce zu spielen. Das erfüllte sich relativ schnell. Den Lime Club fand ich cool, genauso den Hirschgarten. Das Cassiopeia hat seinen Charme, bei der Linse werde ich immer ein bisschen sentimental. Die kenne ich, seit ich zur Schule ging. Das Tommyhaus macht wieder mehr in die Metalrichtung, das ist auch ein cooler Laden.

Künstler aus Berlin?

David: Eric von Sepsyz Art ist gut. Er hat das Cover für die OPS-Scheibe entworfen. Robert bzw. Illustrious macht auch super Sachen.
Danke für das Interview! Viel Spaß auf dem Festival!


Berlin Deathfest: http://www.berlindeathfest.de/

Berlin Deathfest Facebook: https://www.facebook.com/Berlin-Deathfest-372680962816343/

 

Alle Bilder und Titelbild: © Franzi/Berlin Deathfest

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