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Lemmor Photography – It’s a Metal Mess

Bei Metal-Shows geht es drunter und drüber: Das Publikum erobert die Bühne, die Bands verschwinden in der Menge. Fotografin Franzi bringt über die leidenschaftliche Berliner Szene einen Bildband in Eigenregie heraus.

Franzi aka Lemmor Photography ist umtriebig: Als Teil der Pissing in the Mainstream-Party hat sie eine monatliche Metalinstitution geschaffen. Mithilfe ihrer Fotokamera dokumentiert sie alljährlich die lokalen Festivals Berlin Deathfest und Berlin Swamp Fest. Dank ihrer Bandfotos und als Grafikdesignerin unterstützt sie Bands und Festivals bei der Weiterentwicklung ihres Stils. Dabei bleibt sie selbst bodenständig und bescheiden.

Nun präsentiert Franzi erstmals am 24. November ihren Bildband „Metal Mess“. Dazu lädt sie ins Tiefgrund am Ostkreuz, lässt die Black-Death-Metalband Norkh den Abend musikalisch prägen und zeigt endlich der gespannten Szene, woran sie so lange gefeilt hat.

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Authentisch, nicht gestellt

Ihre Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte Franzi, als sie sich für ihr Bachelorstudium im Design bewarb. Um ein Portfolio zu erstellen, fotografierte sie Motive in Berlin – noch ohne eigenen Stil oder Präferenzen. Beides entwickelte sich im Laufe der letzten neun Jahre, da sie dranblieb und sich immer weiter ausprobierte.

Die Berliner Metalszene reizt sie dabei als Motiv besonders, da die Protagonisten ihrer Fotos sich nicht bemühen würden, perfekt auszusehen, sondern es „vollkommen echt und ehrlich“ zugehe. Die Szene sei für sie authentisch, was für Franzi auch persönlich wichtig sei. „Außerdem ist es noch alte Schule, es werden nicht wie bei Pop-Konzerten 1000 Handys in die Luft gehalten und das eigentliche Geschehen dabei völlig vergessen, oder keiner geht den Bands auf die Nerven, dass er unbedingt ein Selfie mit ihnen möchte“, ergänzt sie zufrieden.

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Alles verschmilzt

Um dieser Szene ein würdiges Denkmal in ihrem eigenen Stil zu setzen, entschied sich Franzi, die unter dem Namen Lemmor Photography Bilder veröffentlicht, an einem Fotobuch-Kurs ihres Design-Studiums teilzunehmen. Darin lernte sie, auf die Geschichte, das Konzept und die nötige Tiefe zu achten, die sie mit dem Bildband vermitteln möchte:

„Als ich meine Konzertfotos durchschaute, fiel mir auf, dass das Publikum und die Band teilweise miteinander verschmelzen. Da sind die Fans auf der Bühne oder auch mal der/die Sänger*in oder Gitarrist*in im Publikum. Eigentlich wird alles nur noch als eine riesige chaotische Masse wahrgenommen. Der Name ‚METAL MESS‘ verdeutlicht das. Ich zeige dieses Durcheinander in Form von Konzertfotografien und breche gleichzeitig immer wieder im Buch diesen Fluss mithilfe von Porträts aus meinem persönlichen Freundeskreis. So wird der Einzelne außerhalb dieser Masse gezeigt und dem/der Betrachtenden nähergebracht, welche Personen sich hinter dem Chaos befinden.

Lemmor_Photography_Metal_Mess_ArminIn meinem Kurs waren viele erstaunt, dass diese Leute doch so normale Berufe haben. Ich habe mich darüber gewundert, dass es anscheinend immer noch das hartnäckige Klischee des typischen Wacken-Brüll-Metallers gibt, der auch natürlich außerhalb von Wacken nichts anderes macht, als rumzuschreien. Diese jährlichen Beiträge übers Wacken haben der Szene jedenfalls nicht gut getan.

Für mich war die Sache natürlich von Anfang an klar, dass es ganz normale Menschen mit ganz normalen Berufen sind, das muss man ja keinem innerhalb unserer Szene erklären. Aber dieses Klischee scheint sich hartnäckig außerhalb zu halten. Schade eigentlich. Aber das macht das Buch umso wichtiger.“

Auch wenn einige Motive außerhalb von Berlin entstanden sind, zeigt sie dabei immer die Berliner Metalheads, mit denen sie sich umgibt. So ist der Bildband explizit dieser Stadt, dieser Szene und ihren Akteurinnen und Akteuren gewidmet.

Freunde zu Motiven

Für den Fotobuch-Kurs hatte Franzi nur zwei Monate Zeit, um 20-80 Bilder zu erstellen, aus denen sie den Band gestalten wollte. Trotz des engen Zeitraums gelang ihr Vorhaben. Sie fragte ihre Freundinnen und Freunde, wollte die Berliner Metalszene so wiedergeben, wie sie sie selbst wahrnimmt. Viele der Porträts wurden auf diese Art viel persönlicher. Die Motive werden in ihrem natürlichen Umfeld gezeigt, bei der Ausübung ihres Jobs oder ganz privat: „Dabei sind viele unterschiedliche Bilder zusammengekommen: vom Studenten, Vater in Elternzeit oder Fitness-Trainerin, bis zum Kfz-Elektroniker, der Autos behindertengerecht umbaut.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei meinen Freunden bedanken, sie sich von mir haben ablichten lassen und es irgendwie möglich gemacht haben, dass ich sie für ein paar Stunden (oder auch nur Minuten) auf ihrem Arbeitsplatz begleiten durfte.“

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Franzi war selbst überrascht, wie positiv die angefragten Personen auf ihr Projekt reagierten. Insgesamt lief das Fotografieren für „Metal Mess“ ohne Probleme und sie konnte auch einige schöne Momente einfangen: „Am besten hat mir gefallen, dass Linus (Berufsmusiker und Schlagzeuglehrer) seinen kleinen Cousin als Schüler dabei hatte, der ganz aufgeregt war, fotografiert zu werden. Er ist nur unscharf im Hintergrund zu sehen, weil uns wichtig war, dass er nicht erkannt wird, aber ich habe als Dankeschön noch viele Bilder von ihm in Aktion gemacht und der Kleine ist schon jetzt ein richtig guter Schlagzeuger“, resümiert Franzi eines ihrer Motive.

Eine spannende Zukunft

Am Freitag, dem 24. November stellt Franzi dann alle 20 Porträts aus, die sich von ihrer ablichten ließen. Sie wird großformatige Bilder aushängen, das Buch ausstellen und die Black-Death-Metal-Band Norkh wird den Abend musikalisch abrunden. Auch sie haben einen Platz in „Metal Mess“ bekommen und sind so ein verewigter Teil der Berliner Metalszene.

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Es gehe ihr dabei nicht darum, dass Buch in hoher Stückzahl zu verkaufen. Sie ließ eine erste Auflage drucken, für alle, die sich dafür interessierten. Sie werden es an diesem Abend endlich in der Hand halten können. Wer darüber hinaus ein Buch haben möchte, kann sich auf einer Liste für die zweite Auflage eintragen. Ob sie diese wieder selbst in Auftrag gibt oder dafür mit einem Verlag zusammenarbeitet, weiß Franzi noch nicht. Vielleicht läuft eine weitere Auflage auch über eine Crowdfunding-Plattform, die Möglichkeiten sind alle gegeben und werden von ihr ausgewertet.

Franzi freut sich jedenfalls schon auf die Reaktionen ihrer Gäste: „Ich bin gespannt, wie es ankommen wird und freue mich auf die Ausstellung. Ich finde es toll, wie vernetzt die Szene ist und wie wir uns alle gegenseitig unterstützen.“

Das Tiefgrund im Zukunft am Ostkreuz bildet dafür mit seinem dunklen, engen Kellergewölben den perfekten Rahmen, um das Düstere und die Vielfalt der Berliner Metalszene einzufangen und ihr Raum zu geben. So bleibt auch die Zukunft für Lemmor Photography weiter spannend, die nächsten Projekte dürften bald folgen.


Website: https://www.lemmor-photography.com/

Facebook-Event: https://www.facebook.com/events/284160622074141/

Pissing in the Mainstream-Party: https://www.facebook.com/PissingInTheMainstreamParty/

Alle Bilder und Titelbild mit freundlicher Genehmigung: © Lemmor Photography

 

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