Soffocazzo – The source of all evil

Berlins Splatter-Kollektiv Soffocazzo zelebriert den Spaß am Gore. Für ihr neustes Film-Baby geben sie alles. Ein Gespräch mit Bone und Olli.

Was ist Soffocazzo?

Bone: „Wir sind eine Gruppierung sozial schwer integrierbarer Pseudokreativer. (lacht.) Wir wollen ein audiovisuelles Erlebnis schaffen, das schnell und brachial ist.“

Warum der Name Soffocazzo?

Bone: „Der Name stammt aus Italien. Dabei handelt es sowohl um ein Pastagericht, als auch um eine Methode der Mafia, an Informationen heranzukommen. (Beide lachen.)

Olli: Von der Konsistenz erinnert das Gericht an eine deutsche Fleischtorte. Es geht um die Wurst in allen Facetten!“ (lacht.)

©Soffocazzo

©Soffocazzo

Wie kommen die Leute auf euch?

Bone: „Viele Menschen, mit denen wir was umsetzen, kennen wir bereits vorher. Das sind Kumpels. Es kommen auch immer mal externe Anfragen über die sozialen Kanäle. Aber es muss musikalisch und menschlich zwischen uns und den Videopartnern passen. Sonst haben wir keine Lust darauf.“

Was passt musikalisch zu euch?

Bone: „In irgendeiner Form muss es ‚aufs Maul‘ geben. (lacht.) Das liegt auch an unserem Schnittrhythmus – wir schneiden unsere Videos ziemlich schnell. Da passt ein langsamer Song nicht. Wenn man längere Einstellungen haben möchte, muss man qualitativ hochwertiger arbeiten. Das kostet logischerweise mehr Geld und setzt eine gewisse ‚Grundqualifikation‘ voraus. Wir arbeiten eher auf dem Low-Budget-Niveau.“

©Soffocazzo

©Soffocazzo

Kommt ihr alle im weitesten Sinne aus dem Kreativbereich?

Bone: „Ja, im allerweitesten Sinne. Er ist Archäologe. (zeigt auf Olli.)

Olli: (lacht.) „Ich bin mehr oder weniger in die Sache reingerutscht. Wir kennen uns alle über die Musik – man hängt zusammen im Proberaum rum oder spielt in denselben Bands. Irgendwann kriegt man dann Lust, was anderes zu machen außer Mucke und Bier.“

Warum habt ihr euch auf dem Nenner „Film“ getroffen und nicht etwa ein Veranstaltungskollektiv gegründet?

Olli: „Ganz einfach: Martin … Bone … Jimbo … – welchen Namen sage ich da jetzt? („Bruno von Bröselbrust“ – Bone) (Beide lachen.) kommt aus der Ecke.“

Bone: „Zoe auch. Bei den anderen Soffocazzo-Leuten ist es so: Jaz kann kein Instrument spielen und hat auch einen ganz schrecklichen Musikgeschmack. Sorry, Jaz! Aber er hat irgendwas mit Film studiert und immer konstruktiv bescheuerte Ideen. Über Zoe kam Mareile hinzu, unsere Grafikexpertin. Phil wiederum ist Musiker. Er hat zwar einen ziemlich schlechten Filmgeschmack, aber dafür kennt er sich in der Musiktheorie wahnsinnig gut aus. Er ist von Herzen gern unser leibeigener Komponist. Tim von Neume gehört zu uns und kümmert sich um die Website, spielt geistesgestörte Metzger und macht ab und zu eine Animation.

Daneben gibt es noch einen Haufen anderer, die zum Filmen dazu kommen. Martin baut aus kleinen Backsteinen Mauern, die wir in die Luft jagen. Nils ist der Pyrotechniker und will immer alles in die Luft jagen. Karl macht die Abmischung für den Ton und meckert herum. Hans von Reactory ist unser Stuntkoordinator (Beide lachen.) und macht die Requisite.“

Seit wann macht ihr zusammen Filme?

Bone: „Offiziell gibt es uns seit dem 1. Februar 2014, dem Kinderjeburtstach im Rockhaus. Wir haben zuvor schon den Teratrom-Film gemacht, in dem Jehacktet mitwirken. Das ist eine Idee gewesen, die ich schon immer mal umsetzen wollte: Musik so in einen Film einzubauen, dass es fließende Übergänge gibt. Dadurch entstehen innerhalb des Films kleine Musikvideos.“

Inspirieren euch Horrorfilme? Wenn ja, welche haben euch besonders beeinflusst?

Bone: Braindead von Peter Jackson hat mich sehr geprägt, ebenso die Evil Dead-Reihe. Ich stehe auf handgemachte Effekte und so wenig CGI wie möglich. In diesem Filmen spielt außerdem Humor eine sehr wichtige Rolle.“

Wie finanziert ihr eure Ideen?

Bone: „Wir haben zwar ein paar Auftragsarbeiten umgesetzt, die man auch auf unserer Seite sehen kann. Aber die waren leider nicht sehr lukrativ. Ansonsten haben wir im vergangenen Jahr eine StartNext-Kampagne auf die Beine gestellt. So konnten wir 3500 Euro einsammeln. In der Filmbranche sind das Peanuts. Wir können damit aber schon echt viel reißen. Bei Teratrom habe ich alles aus eigener Tasche bezahlt. Dadurch mussten wir leider auf viele Ideen verzichten, die wir dem Publikum dieses Mal jedoch mit voller Wucht auf die Backen klatschen.“

Wie ist der Stand bei eurem aktuellen Filmprojekt „Intoxitocin“, das ihr über die Kampagne teilfinanzieren konntet?

Bone: „Wir basteln lustige Käferkostüme und jede Menge Knarren. Unsere größte Baustelle ist im Moment noch das Setting. Die bei Teratrom vorherrschende Endzeitstimmung konnte nicht wirklich umgesetzt werden. Das wollen wir jetzt besser machen! Es muss ein abgefucktes Feeling rüberkommen, damit man als Zuschauer mitgerissen wird. Deshalb arbeiten Olli und ich momentan an dem Hauptschauplatz des Films: ‚Die Schwarze Stadt‘ ein riesiges postapokalyptische Endzeit-Moloch. Dieses besteht aus zwei Kulissen: Eine Miniaturstadt und eine größere Stadt. In der kleinen Stadt sind die Häuser etwa dreißig Zentimeter groß. In der großen Stadt sind sie ein Meter vierzig hoch.

Wir verwenden für die Kulisse nur Müll: Pappreste, Wellblech, Hasendraht, Strohhalme oder Essstäbchen. Es geht sogar so weit, dass wir verschiedene Kategorien für die Pappe entwickelt haben, um sie gezielt und effizienter verwenden zu können. Wir bauen zu zweit eine komplette Stadt, die einen Mix aus Berlin, Tokio und New York darstellt. Dabei sind wir so richtige detailverliebte ‚Richard-Wagner-Arschgeigen‘ geworden!“

Wo steht das Modell? Hat einer von euch einen riesigen Keller?

Olli: „Ne, es steht bei mir in der Wohnung. Wir haben uns da langsam reingesteigert. Jedes neue Objekt, das wir gebaut haben, war detaillierter als das vorherige. Wir haben den Läden Namen gegeben und soziale Strukturen für die Stadt entwickelt. Die Fenster mussten auf einmal sehr dreidimensional aussehen. Dann klebst du Texturen auf, schneidest Fenster aus und wirst wahnsinnig, weil es so ins Detail geht! Mittlerweile brauchen wir eine Woche für ein Gebäude.“

 

Bone: „Eine derartige Kulisse findest du in Berlin nicht. Für die Stadt entstehen gerade Gebäude, von denen wir wissen, dass sie später zerstört werden. Echte Explosionen, Baby! Zusätzlich bauen wir noch eine Wüsten- und eine Waldkulisse.“

Olli (zeigt ein Bild vom Käfer-Kostüm mit einem Riesendildo.):Wie du siehst, sind wir auch politisch inkorrekt. (lacht.) Wir machen uns wenig Gedanken darum, ob man das jetzt machen darf oder nicht.“

Gibt es eine Deadline für das Projekt?

Olli: „Es gab wohl mal eine, aber wir wollen, dass das Projekt gut wird und uns nicht so derbe unter Druck setzen. Letztendlich ist es doch alles nur Jux und Tollerei.“

Handelt es sich bei dem Filmprojekt um einen Spielfilm?

Bone: „Insgesamt entstehen sechs Episoden, die zusammen auf Spielfilmlänge kommen.“

Wie kommt ihr an die Musik, die ihr in diesem oder anderen Projekten verwendet?

Bone: „Wir haben viele Kumpels, die in Bands spielen. Die haben wir gefragt, ob sie selbst vorkommen wollen, Musik oder Merchandise beisteuern möchten. Alle Bands, die zugestimmt haben, werden im Film irgendwie verwurstet.“

Sind das nur Berliner Bands?

Bone: „Zum größten Teil ja, aber es gibt auch internationale Bands, die Bock auf die Nummer haben. Als Darsteller im Film selbst sind aber nur Berliner Bands geplant.“

Geht es darum, diese Bands zu unterstützen?

Bone: „Schon. Du siehst, dass unser Video zu ‚Shell Shock‘ den Jungs von Reactory eine gewisse Reichweite verschafft hat, was unser wiederum hilft. Wir unterstützen uns da gegenseitig.“

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